Stipendiatenehrung 2019

Vorstellung der Stipendiaten 2019 im Alten Rathaus
Bühnengast Pinar Atalay im Gespräch mit Larissa Scheler

Vorstandsvorsitzender Hartmuth Schulz, die Stipendiaten Florian Sturm und Paul-Jonas Hildebrandt, der Kuratoriumsvorsitzende Valentin Schmidt (von links)

„Vorwärts nach weit meets Sir-Hugh-Carleton-Green-Stiftung“ hieß es am 15. Mai 2019 zu fünften Mal. Im Alten Rathaus stellte die Stiftung ihre Stipendiaten  vor. Gast des Abends war Tagesthemen-Moderatorin Pinar Atalay. Das Interview mit ihr führte Larissa Scheler, Sir-Greene-Stipendiatin von 2002.

Zum fünften Male lieferte die Sir-Greene-Stiftung des Presse Club Hannover bei einer Veranstaltung „Vorwärts nach weit“ des Medienstammtischs im Alten Rathaus Hannover das Abendthema. Unsere engagierte Nachwuchsförderung präsentierte die drei diesjährigen Stipendiaten: Natalie Mayroth, Paul-Jonas Hildebrandt – beide Berlin, und Florian Sturm, Leipzig.

Die Veranstaltung mit an die 170 Gästen eröffnete Christine Rettig vom ADAC. Durch den Abend führte Larissa Scheler, Sir-Greene-Stipendiatin von 2002 („ich war schwer beeindruckt, welche Möglichkeiten das Stipendium eröffnet“), heute Redakteurin beim NDR-Nachrichtenmagazin NDR//Aktuell 21:45.

Die Stipendiaten 2019

   

   

Die glücklichen Gewinner hatte eine Jury aus sechs Vorschlägen des Stiftungsvorstands unter 29 Bewerbungen bestimmt:

Das Internationale Medien-Stipendium erhält Natalie Mayroth. Mit ihr telefonierte die Jury über Skype in Neu Delhi. Sie befindet sich auf einer Recherche-Reise in Indien. Ihre Themen sind die Massen deutschen Plastikmülls (wo landen sie?), Indiens Kampf gegen die ansteckende Lepra und der Kaschmir-Konflikt (inwieweit ist in der Konfliktzone ein normales Leben möglich?).

Über das Leibniz-Stipendium freut sich Paul-Jonas Hildebrandt. Ihn beschäftigt der Prozess der Wiedervereinigung. In Ostdeutschland will er „auf Wanderschaft gehen“, u.a. in Lokalredaktionen hospitieren. Ziel: „Mit Menschen ins Gespräch kommen, die einen anderen Blick auf Deutschland haben“ als er als „Wessi“, einen „ostdeutschen Blick“. Im Hintergrund die Frage: „Was ist eigentlich schiefgelaufen zwischen Ost und West?“

Einen Sonderpreis vergab die Jury an Florian Sturm, der mit der Fotografin Xiomara Bender auf Englands kleinstem Fleckchen Erde, der entlegenen Insel Fair Isle, erkunden will, wie die knapp 60 verbliebenen Bewohner die extreme Lebenssituation meistern – wie dieser ungewöhnliche Mikrokosmos funktioniert.

Valentin Schmidt, Vorsitzender der Jury, der die Entscheidungen jedes Mal nicht leicht gemacht werden: „Es überraschen der Einfallsreichtum und das Engagement. Um qualifizierten journalistischen Nachwuchs muss man nicht bangen.“

Gast des Abends: Pinar Atalay

   
   

Eine attraktive Einrichtung von „Vorwärts nach weit“ ist das Interview mit dem besonderen Gast. Diesmal unterhielt sich Larissa Scheler mit Pinar Atalay. Die als Moderatorin der ARD-Tagesthemen und des Wirtschaftsmagazins plusminus geschätzte Kollegin hatte einen applaudierten Auftritt. Sie bestätigte die über sie bekannten Überschriften „unerschrocken, schlagfertig, auf den Punkt bringend“. Scheler und Atalay kennen sich lange, und so wob Privates mit hinein, verriet Charme und Wärme. Das Investigative hatte einmal Auszeit.

Ihre Interview-Erfolge begründet Pinar Atalay mit dem Prinzip Augenhöhe – „bei allem Respekt“. Die erreichte sie sogar in einem der seltenen Interviews mit dem türkischen Ministerpräsidenten (organisiert über das ARD-Studio in Istanbul) „mit Fragen, die man in der Türkei nicht stellen kann“.

Pinar Atalay berichtete, wie sie Interviews vorbereitet, die aktuelle Nachrichtenlage in den Griff bekommt und wie viel Einfluss sie auf die Themenauswahl hat, was zu Tendenzen und Pressefreiheit (die sich durch den Rechtsextremismus auch „in Europa verschlechtert“) zu sagen ist – berichtete vom Countdown, der letzten Stunde vor der Sendung. Dabei verriet sie ganz Persönliches: Um am langen Arbeitstag (erste Konferenz um 11:30 Uhr) den „Wahnsinn des Tages bei wenigen Stunden Vorlauf anders als bei der Zeitung in eine halbe Stunde“ zu packen, verwöhnt sie sich mit Süßem aus einem Versteck, das sie verriet, das wir hier aber nicht weitersagen. Spontan besorgte Christine Rettig der „Naschkatze“ und Larissa Scheler denn auch ein entsprechendes kleines Dankeschön. Ein alles in allem in schon gewohnter Weise runder Abend.

   
   
  
   

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Die Sir-Greene-Stiftung fördert seit fast 20 Jahren junge Talente mit Stipendien. Im Blick: der im Mediengetümmel so notwendige Qualitätsjournalismus. Unter dem Vorsitz von Hartmuth Schulz positionierte sich die Initiative des Presse Club Hannover zu einer wichtigen Institution von inzwischen republikweiter Bedeutung. Die Stipendiaten-Feier im Rahmen des Medienstammtischs „Vorwärts nach weit meets Sir-Greene-Stiftung“ wurde zur zweitgrößten Presse-Club-Veranstaltung im Jahr, hinter dem Festabend zur Verleihung des LeibnizRingHannover.

Bericht: Friedrich Oehler
Fotos: Regine Rabanus