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Internationales Medien-Stipendium 2015

Marina Kormbaki –
Internationales Medien-Stipendium 2015

Posted April 29th, 2015 in Stipendiaten by Susanne Melchior

Marina_Kombarki_800Journalisten stellen Fragen und erhalten, meistens, Antworten. Das ist der Kern jeder Recherche. Manchmal aber kommt man nicht zum Fragen. Manchmal ist das Gegenüber schneller, drängender, wissbegieriger, und plötzlich ist es der Journalist, der Antwort geben soll.

„Wann öffnen sie die Grenze?“
„Wie kommen wir nach Deutschland?“
„Warum tut Gott uns das an?“

Ich hatte viele Fragen, ehe ich Anfang März 2016 aufbrach zu meiner Reise ins Epizentrum der europäischen Flüchtlingskrise, in die Türkei und nach Griechenland. Drei Wochen später kehrte ich mit noch mehr Fragen im Gepäck zurück. Mit eigenen Fragen und den Fragen all der Geflüchteten, die ich kennenlernte.

Eigentlich wollte ich den Westbalkan näher kennenlernen. Ich wollte im Kosovo erfahren, warum die Menschen dort ihr Land gen Norden verlassen, wo sie doch so viel gegeben haben für dessen Unabhängigkeit. Mit diesem Anliegen hatte ich mich im Frühjahr 2015 bei der Sir-Hugh-Carleton-Greene-Stiftung um ein Recherche-Stipendium beworben.

Doch dann kamen Zehntausende, Hunderttausende Syrer, Iraker und Afghanen über die Türkei nach Griechenland, nach Europa. Eine Bewegung, die Europa in seinen Grundfesten erschütterte, weil sie die ihrem Selbstverständnis nach wertebasierte Staatengemeinschaft auf die Probe stellte: Wie hältst du es mit der Solidarität, Europa? Eine Frage, auf die es bis heute keine zufriedenstellende Antwort gibt.

Die Bruchlinie dieses Dilemmas verläuft an der türkisch-griechischen Grenze – dort, wo die Geflüchteten an einem Übertritt in die Union gehindert werden sollen. Deswegen begann ich meine Recherchereise in der Türkei und beendete sie in Griechenland.

Wir hören und schreiben oft, dass die Türkei den Geflüchteten Schutz gewähren müsse, nicht ganz so weit von ihrer Heimat entfernt wie Berlin, Amsterdam oder Stockholm. Daher erkundete ich in Istanbul, was  syrische Bürgerkriegsflüchtlinge dazu bewegt, in der Türkei zu bleiben, und andere anspornt, sich auf den gefährlichen Weg über das Meer zu begeben.

Ich lernte einen Saxophonisten aus Aleppo kennen, der am Bosporus sein Glück gefunden hat – weil Istanbul eine Stadt des Jazz ist und weil in den Clubs die Herkunft der Musiker keine Rolle spielt. Der Saxophonist zeigte mir das Viertel Aksaray, wo inzwischen ein Klein-Damaskus entstanden ist: eine Enklave mit syrischen Konditoreien, Restaurants und Juwelieren. Angehörige der syrischen Mittelschicht bauen sich eine Existenz in Istanbul auf – doch wer mit nichts in die Türkei flüchtet, der will dort meist nicht bleiben. Viele Tagelöhner arbeiten schwarz und verdienen kaum mehr als 15 Euro am Tag. Sie sparen für ein Leben in Europa.

Ihr Weg dorthin führt sie meist über Izmir, nur wenige Seemeilen von der griechischen Küste entfernt. Ich reiste dorthin, weil ich hoffte, zumindest einen kleinen Eindruck vom Schleusergeschäft zu gewinnen. Womit ich nicht gerechnet hatte: dass der Menschenhandel auf offener Straße abläuft. Schmuggler, die gerollte Dollarbündel entgegennehmen. Flüchtlingsfamilien, die am Straßenrand auf Schleuser warten. Hoffnungsfroh und ängstlich zugleich. In Izmir beschloss ich, das Wort „Flüchtlingsstrom“ nicht mehr zu gebrauchen. Denn in der Gerichtsmedizin von Izmir fand ich keinen „Flüchtlingsstrom“ aufgebahrt, sondern die auf dem Weg nach Europa ertrunkene Bibiqasi, ihre kleine Tochter Hadeya und ihren kleinen Sohn Ahmad Naweed.

Die europäische Flüchtlingstragödie ist eine Tragödie nicht nur für die Geflüchteten, sondern auch für viele Europäer. Auf der griechischen Insel Chios und im nordgriechischen Dorf Idomeni lernte ich Menschen kennen, in deren Leben diese Krise hereingebrochen ist, die unter dem steten Anblick der Not der Geflüchteten leiden – und die sich doch nicht abwenden, sondern helfen. Dabei ist die griechische Wirtschaftskrise noch lange nicht ausgestanden. Immer neue Steuern und Kürzungen lasten auf der Bevölkerung, aber die Hilfsbereitschaft ist groß und Flüchtlingsheime gehen nicht in Flammen auf.

Ein ums andere Mal führten mir die Eindrücke aus dieser Recherchereise vor Augen, wie relativ doch das Wort von der Flüchtlingskrise ist. In Izmir und auf Chios meint es etwas ganz anderes, Dringlicheres als in Hannover. Ich bin der Sir-Hugh-Carleton-Greene-Stiftung sehr dankbar dafür, dass ich durch sie die Möglichkeit erhielt, das menschliche Antlitz dieser „Krise“ kennenzulernen und es einem größeren Publikum mit meinen Texten näherzubringen.

Lesen Sie hier die Reportage, die Marina Kormbaki nach ihrer Reise in der HAZ veröffentlicht hat: „Ich verstehe nicht, was Gott von mir will

 

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Internationales Medien-Stipendium 2014

Ann-Kathrin Seidel –
Internationales Medien-Stipendium 2014

Posted Dezember 27th, 2014 in Stipendiaten by Susanne Melchior

Ann-Kathrin Seidel_colorEinen Monat lang Eindrücke sammeln im Libanon. Dafür nutzte Ann-Kathrin Seidel das Stipendium der Sir-Greene-Stiftung. Vom 3.11. bis 29.11.2014 war sie in Beirut.

Ihre Erfahrungen und Erlebnisse hat sie in dem Video „Ein Monat Beirut“ dokumentiert:


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Sonderpreis 2014

Mirja Fiedler –
Sonderpreis 2014

Posted September 13th, 2014 in Stipendiaten by Susanne Melchior

mirja-fiedler„Es gibt einen Plan A und einen Plan B für Sie“, sagt mir der Vorsitzende der Sir-Hugh-Carleton-Greene-Stiftung, Hartmuth Schulz, nach dem Bewerbungsgespräch in Hannover. „Mehr zu sagen, wäre zum jetzigen Zeitpunkt unseriös. Aber lassen Sie auf jeden Fall Ihr Telefon an.“ Und es klingelt wirklich. Der Redakteur des Fernsehdirektors der Deutschen Welle, Fabian von der Mark, ist dran. „Wir haben Ihre Bewerbung von der Intendanz bekommen. Wir können Ihnen Washington, DC, Brüssel oder Berlin anbieten.“ Ich entscheide mich für Brüssel.

Am 14. Oktober 2014 ist es so weit. Ich sitze im Zug nach Belgien. Glücklicherweise kann ich bei einer Freundin wohnen, die ich vor zehn Jahren während meines Studiums in Washington, DC kennengelernt habe. Sie lebt mit ihrem italienischen Freund im Viertel Louise – einem angesagten Szeneviertel in Brüssel mit Geschäften, Bars und Cafés.

Doch viel Zeit zum Ausgehen bleibt mir nicht. Am nächsten Vormittag fahre ich mit der Metro ins Brüsseler Regierungsviertel, wo die Deutsche Welle ihre Büros in einem Gebäude mit der ARD hat.

Von Ebola über den Gasstreit bis zum EU-Gipfel

Zwei intensive Wochen folgen. Regelmäßig besuche ich das Midday Briefing in der Europäischen Kommission und Hintergrundgespräche. Ebola, Libyen, Irak, Syrien, der sogenannte Islamische Staat, der Mittlere Osten und die Situation im Gazastreifen sind einige der Themen, die ich recherchiere. Während Russen und Ukrainer über Gas streiten, warte ich mit anderen Korrespondenten und meinem Kamerateam vor der Europäischen Kommission auf den Durchbruch der Verhandlungen. Die angekündigten Pressestatements verzögern sich – bis in die Nacht. Tagsüber erklären aus London eingeflogene Experten anderen Journalisten und mir im Hintergrund, wie sich der Bankenstresstest zusammensetzt und die Ergebnisse auswirken könnten.

Von Brüssel an die belgische Küste

Die Korrespondenten der Deutschen Welle in Brüssel berichten aber nicht nur aus der belgischen Hauptstadt. Für den EU-Außenministerrat fliegt Studioleiter Max Hofmann zum Beispiel nach Luxemburg. Auch Den Haag und Straßburg decken die Journalisten ab.

Ich fahre für einen Dreh an die belgische Küste. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird das flämische Nieuwpoort besuchen, um dort der Flandernschlacht vor 100 Jahren zu gedenken. Für meinen Magazinbeitrag interviewe ich den belgischen Historiker Patrick Vanleene. Seine Großeltern haben erlebt, wie ein belgischer Offizier mit Erlaubnis des Königs Albert I. Schleusen öffnete und das Land flutete. So konnten die Belgier die deutsche Armee stoppen. Ein entscheidender Wendepunkt während des Ersten Weltkrieges, erzählt mit Patrick Vanleene. Anschließend kämpften die Truppen aus Schützengräben. In Diksmuide zwischen Nieuwpoort und Ypern drehe ich mit meinem Kamerateam einen nachgebauten Schützengraben, den sich auch Touristen ansehen können. In Brüssel erklärt mir der Kurator des Königlichen Armee- und Militärgeschichtemuseums, Henri Dupuis, dass die Invasion der Deutschen Flamen und Wallonen zu einer Art nationalen Gemeinschaft zusammengeschweißt habe.

Bundeskanzlerin und NATO-Generalsekretär

In Berlin übersetzen Kollegen meinen Fernsehbeitrag ins Englische. Auch für Radio und Internet produziere ich. Vor dem EU-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel interviewe ich den Direktor der Denkfabrik Bruegel, Guntram Wolff, zur EU-Finanzkrise. Das Radiointerview und ein Foto erscheinen online. Während des EU-Gipfels bin ich im Europäischen Rat, wo die Journalisten gespannt darauf warten, dass etwas Neues aus den Verhandlungen nach außen dringt. Korrespondenten schalten live – für die Deutsche Welle auf Deutsch und Englisch. Immer wieder stecken Verantwortliche der Delegationen den Journalisten Informationen. Unter die Korrespondenten mischt sich auch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz.

Nach dem EU-Gipfel nimmt Deutsche Welle-Studioleiter Max Hofmann mich mit zum US-amerikanischen Think Tank German Marshall Fund in Brüssel. Dort hält der ehemalige norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg seine erste öffentliche Rede als NATO-Generalsekretär. Er spricht über seine Kindheit während des Kalten Krieges in Norwegen, neue außenpolitische Herausforderungen und seine Ziele als NATO-Generalsekretär.

Mit Kamerateam in Amsterdam

An meinem vorerst letzten Tag für die Deutsche Welle in Brüssel reise ich in die Niederlande, um dort für die Hauptabteilung Kultur und Gesellschaft zu drehen. Ich interviewe den Fotografen Hans Eijkelboom in seinem Atelier, bin mit ihm auf der Straße unterwegs und suche Hipster und andere modisch gekleidete Niederländer und Touristen für einen Beitrag in der Sendung Euromaxx.

Sightseeing und eine Auszeit in Belgien

Brüssel erkunde ich zu Fuß, mit Bus und Metro. Eine Hauptstadt mit internationalem Flair, die für viele aber nur eine Zwischenstation ist, wie mir meine Freunde erzählen. An einem Wochenende fahren wir zusammen in die Ardennen, wo die beiden sich ein kleines Chalet kaufen wollen – für Auszeiten, um vom Trubel und den Terminen in der hektischen Großstadt zu entspannen.

ARD-Korrespondent und eine Hochzeit

Natürlich nutze ich die Chance, um nach einem Midday Briefing in der Europäischen Kommission den Leiter des Brüsseler ARD-Fernsehstudios, Rolf-Dieter Krause, anzusprechen. Er erklärt mir, dass das Leben eines Auslandskorrespondenten nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile mit sich bringe. Ja, die sind mir sehr wohl bewusst. Sein Fazit unseres Gesprächs: „Sie wollen das ja wirklich.“ Ja, ich will. Und noch zwei trauen sich. Meine Freundin aus Brüssel und ihr Freund, bei denen ich gewohnt habe, heiraten im Frühjahr 2015 in Südafrika. Auf ihrer Neujahrskarte das Foto, das ich von den beiden während unseres Ausflugs in die Ardennen gemacht habe. In der Karte kündigen sie ihre Hochzeit an.

Vielen Dank für eine spannende, lehrreiche und prägende Zeit in Brüssel! Ich hoffe, dass ich die Chance bekommen werde, als Korrespondentin ins Ausland zurückzukehren. Das ist zumindest mein Plan.

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Internationales Medien-Stipendium 2013

Anika Giese –
Internationales Medien-Stipendium 2013

Posted Oktober 28th, 2013 in Stipendiaten by Susanne Melchior

AnikaGiese 390In London im Bus rückwärts zu sitzen fühlt sich wie „Zurückspulen“ im Film an. Dabei habe ich den größten Teil des Tages in die Zukunft geblickt, denn bei der BBC in der Formatentwicklung für Langformate wird Orakel gespielt. Aber nun chronologisch …

Ganz klar habe ich in meine Bewerbung geschrieben: „Ich möchte mit dem internationalen Medienstipendium zur BBC nach London.“ Und zwar in die Abteilung, die die Stoffe für Dokumentationen meist für zwei Jahre im Voraus entwickelt und pitcht. Kurz und im BBC Slang „development history and business“.  Vorhaben an die Stiftung geschrieben. Vorm Kuratorium argumentiert. Glücklich weil ausgewählt. Fine-Tuning mit großartiger Unterstützung von Herrn Schulz und Alt-Kontakten zur BBC. Ab an die Themse.

“Looking forward to meeting you on Monday. Please come to the reception of New Broadcasting House, Portland Place, London W1A 1AA for 10am and ask reception to call me“,  schreibt meine Talent Managerin in ihrer letzten E-Mail. Sie organisiert für mich Ansprechpartner, Passwörter, Telefonnummern und hat obendrein ein Lächeln bei der ersten Frage: „Was können wir tun, um die Zeit in London bei der BBC für dich optimal zu gestalten?“ Großartig, denke ich, während ich mich, meinen Laptop mit eigener BBC-Mailadresse unter den Arm geklemmt, auf dem Rundgang durch die wichtigsten Etagen des gläsernen Gebäudes befinde.

BBC 1In der siebten Etage in der Zone C sitzt meine Gast-Abteilung, die Formatentwicklung. Feste Plätze gibt es hier nicht. Jeden Morgen sucht sich Jeder eine neue Docking Station, seinen Arbeitsplatz für den Tag. Meetings und kleine Ideen-Runden werden kurzfristig in den Sofa-Ecken oder Coffee-Bar-ähnlichen Locations abgehalten, die Mittagspause rund um den Oxford Circus. Abwechslungsreich. Immer mit Blick in den Nachrichten-Kessel im Erdgeschoss. Breaking News auf Leinwänden im ganzen Haus.

In der Zone C allerdings ticken die Uhren langsamer. „Wir“ starten  auf dem weißen Blatt Papier. Themen, Bildideen, Produktionsweisen neu setzen, erfinden, dramaturgisch „out of the box“ denken. Dabei sitzt der Researcher neben der Junior Producerin, der Regisseur neben dem Leiter der Abteilung und ich mittendrin. Als Producer/Director from ARD German Television werde ich vorgestellt. Entwickeln für BBC One, BBC Two und BBC Four.

BBC 3Das Wort „Leitmotiv“ gibt’s zum Glück in beiden Sprachen. Für die Vorstellungskraft für Szenen mit
3D-Lasertechnik gibt’s keine Sprachbarrieren. Der Teamabend
im Pub lehrt das Cider- und Ale-Vokabular.  Internationale Co-Produktionen, Recherche in verschiedenen Sprachen, Genre-Hopping von Ausgrabungen in Machu Picchu, Pendler in Europa, Reformation, Mumien oder doch Expeditionen im Himalaya. Ein produktiver Einblick. Ideen für deutsche Co-Produktionen inklusive.

Dass ich als Journalistin in dieser inspirierenden Stadt in solch einer Ideen-Schmiede auf so einem hohen Niveau einen Austausch erfahren und gestalten durfte, habe ich von der ersten bis zur letzten Minute der Sir-Hugh-Carleton-Greene-Stiftung zu verdanken. Herr Schulz, ohne Sie hätte ich weder die letzten Wochen meines Aufenthalts noch im ARD-Studio als Producer arbeiten noch persönliche Worte vom Intendanten der BBC entgegennehmen können. Voller Dankbarkeit und mit frischem Kopf und guten Ideen ging’s vorwärts zurück nach Deutschland.

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Internationales Medien-Stipendium 2013

Linda Kierstan –
Internationales Medien-Stipendium 2013

Posted Juli 23rd, 2013 in Stipendiaten by Susanne Melchior

Linda Kierstan 390Otjiwarongo, Otavi und Walvis Bay – diese drei Städte liegen in Namibia. Noch vor wenigen Monaten habe ich das nicht gewusst – denn noch vor wenigen Monaten hatte ich ein anderes Ziel.

Als ich das Stipendium der Sir-Hugh-Carleton-Greene-Stiftung im Juni 2013 erhielt, hatte ich nur einen Wunsch: Ein Praktikum in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das hätte auch geklappt, wäre da nicht ein Kollege gewesen, der mir von seiner schönen und spannenden Zeit in Namibia erzählte. Meine Augen fingen an zu leuchten, im Kopf begann ich sofort mit dem Packen. Die Entscheidung war schnell klar: Ich möchte nach Namibia. Einen Anruf in Hannover und eine Mail nach Namibia später, und die Richtung war geändert.

Schon die Landung auf dem Flughafen der Hauptstadt Windhuk sollte mir zeigen, was Namibia zu bieten hat: Unendliche Weite. Auf der Fahrt ins Zentrum von Windhuk habe ich mehr Affen als Autos gesehen. Kein Wunder: Das Land ist dreimal so groß wie Deutschland, hat aber nur etwa zwei Millionen Einwohner.

Linda Kierstan 3Fünf Minuten nachdem ich zum ersten Mal das Studio von Hitradio Namibia betreten hatte, war ich bereits ‚ON AIR‘. Der Chef, Wilfried Hähner, der gerade die Frühsendung moderierte, wollte den Hörern gleich die „Neue“ vorstellen. Der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser – einen besseren Einstieg hätte ich mir nicht wünschen können.

Der Sender richtet sich nicht nur an die deutschsprachige Gemeinschaft in Namibia, sondern kann via Livestream weltweit gehört werden. Offenbar wird er das auch – Fans aus verschiedenen Ländern bekennen sich dazu bei Facebook. Das Rahmenprogramm ist ein bunter Musikmix. Klassiker aus den 80ern und 90ern werden ebenso häufig gespielt wie aktuelle Songs. Immer zur vollen Stunde gibt es Nachrichten. Da ich seit 4 Jahren in der ‚heute‘-Redaktion beim ZDF arbeite, war ich darauf besonders gespannt.

Natürlich beginnen die Nachrichten mit Themen aus Namibia. Und das ist auch schon die erste Herausforderung, denn ein Agentur-System, wie ich es gewohnt bin, gibt es dort nicht.  Während in unserer Redaktion aktuelle Meldungen im Sekunden-Takt einlaufen, muss in Namibia zunächst sichergestellt werden, ob die spärlichen ‚News‘ überhaupt neu sind. Tatsächlich kann es vorkommen, dass Meldungen schon älter sind. Die Redakteure müssen also gut vernetzt sein. Kontakte machen hier den Nachrichten-Meister.

Der Chef des Senders hatte bereits eine Idee für mich: Ich sollte als Moderatorin für die Mittags- und Nachmittagssendung arbeiten. Was für ein aufregendes Angebot. Der Job entpuppte sich als meine neue Leidenschaft.

Als Moderatorin war ich für die gesamte Gestaltung der Sendungen verantwortlich. Dazu gehören das Schreiben von Meldungen, das Finden von Geschichten, das Führen von Interviews, das Wetter, der Verkehr, aktuelle Sport-Nachrichten und die Börse: Alles, was Namibia und die Welt interessieren könnte.

Linda Kierstan 2Meinen persönlich schönsten Bericht konnte ich über das Bernard Nordkamp Centre machen. Die Organisation kümmert sich am Nachmittag um Kinder, die unter schwierigen Bedingungen aufwachsen. Beim BNC bekommen sie Essen, Schulmaterial, Nachhilfe und nicht zuletzt die nötige Aufmerksamkeit. Nicht nur die Arbeit der vielen Freiwilligen hat mich beeindruckt, sondern auch die scheinbar unerschütterliche Fröhlichkeit der Kinder, die nichts und manchmal auch niemanden haben. Das sehen und erleben zu dürfen, waren Eindrücke, die für immer in meinem Kopf bleiben werden.

Dank Hartmuth Schulz, dem Team der Stiftung und all den lieb gewonnenen Mitarbeitern bei Hitradio Namibia, durfte ich nicht nur dieses schöne Land und seine Menschen kennenlernen, ich habe auch Einblicke in einen Kontinent bekommen, die mir ein Stück weit die Augen geöffnet haben. Außerdem weiß ich jetzt nicht nur, wo Otjiwarongo, Otavi und Walvis Bay liegen – ich beherrsche sogar die Aussprache dieser Städte.

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Leibniz-Stipendium 2013

Jacqueline Bohrmann –
Leibniz-Stipendium 2013

Posted März 27th, 2013 in Stipendiaten by Susanne Melchior

Bohrmann 390-1Zwei Wochen Brüssel. Zwei Wochen mitten drin im Europaparlament. Und zwei Wochen Politik pur. Das war für mich das Leibniz-Stipendium.

Bei den Erfahrungsberichten, die ich vor meiner Bewerbung bei der Sir-Hugh-Greene-Stiftung gelesen hatte, fand ich es immer schade, dass so wenig über das Auswahlverfahren geschrieben wurde. Jetzt aber weiß ich, dass das erst der Anfang ist.

Logisch war ich aufgeregt, als ich vor dem Gremium Rede und Antwort stehen musste. Aber es war echt eine tolle Atmosphäre. Es ging um meinen Lebenslauf, aktuelle Geschehnisse und um meine Zukunft. Eigentlich wollte ich mit dem Stipendium ins Bundespresseamt.

Nachdem ich es erhalten hatte, gab es aber ein Gespräch, bei dem mir ganz andere Möglichkeiten offenbart wurden. Ich hatte ja gedacht, dass sich das Leibniz-Stipendium auf Deutschland beschränkt. Umso mehr habe ich mich gefreut, als es hieß: „Wie wäre es denn mit Brüssel?“. Innerlich war ich schon am Hüpfen und Purzelbäume schlagen, als der Plan konkreter wurde. Und so konnte ich für zwei Wochen in das Büro von Rebecca Harms, der Vorsitzenden der Grünen im EU-Parlament. Dort habe ich vor allem ihre Pressesprecherin Ruth Reichstein begleitet und unterstützt.

Als Vorsitzende der Grünen im EU-Parlament ist Rebecca Harms eine gefragte Interviewpartnerin. An einem Tag kamen da schon mal sieben Interviews zusammen. Und es war beeindruckend zu sehen, wie schnell Rebecca von den Unruhen in der Ukraine über Fracking bis hin zu den Klimazielen der EU auf Knopfdruck spannende Antworten geben konnte. Dazwischen hat sie noch an einer Podiumsdiskussion teilgenommen und abends ist sie selbst in die Ukraine geflogen.

In Brüssel wird Politik gemacht. Nach meinem Politikstudium war es für mich ein neuer Impuls und eine neue Erfahrung, europäische Politik live zu erleben und von einer ganz anderen Seite als der wissenschaftlichen zu sehen, wie die Rädchen ineinander greifen.

Das Beste an den zwei Wochen war, dass ich überall mit hin durfte. Auch wenn die Bürotür öfter mal geschlossen wurde, durfte ich mit drin bleiben. Ich konnte an einer Abendveranstaltung der Grünen mit Journalisten teilnehmen, bei einer Fraktionssitzung zuhören und bei Dreharbeiten zu kurzen Filmen mithelfen.

Auch die Zeit, in der ich in Brüssel war, war sehr spannend. Denn die Grünen haben im Vorfeld der Europawahlen eine Vorwahl im Internet veranstaltet. Bei der sogenannten „Primary“ haben aber nur 22.000 Europäer abgestimmt. Ein Fiasko. Die Ergebnisse wurden während meiner Hospitanz vorgestellt, und Rebecca wurde leider nur Dritte. Im Anschluss konnte ich erleben, wie in der Politik eine Strategie aufgestellt wird und das komplette Büro für eine Sache kämpft. Denn Rebecca Harms musste nun gegen Ska Keller, die bei den Vorwahlen gewonnen hatte, für Listenplatz eins der deutschen Liste kandidieren. Den konnte sie am Ende auch verteidigen.

Ich möchte nach den zwei Wochen in Brüssel vielleicht keine Pressesprecherin werden, aber ich möchte weltwärts. Es war für mich beeindruckend zu sehen, mit welcher Selbstverständlichkeit die Mitarbeiter des Parlaments von Englisch über Französisch bis hin zu Italienisch gewechselt haben. Die internationale Zusammenarbeit wird in der EU nicht nur gepredigt, in Brüssel wird sie gelebt. Ich habe gemerkt, dass ich die Arbeit der Korrespondenten in Brüssel sehr interessant finde, auch wenn ich sie nur am Rande bestaunen konnte. Die EU ist einfach eine tolle Idee, hinter der ich jetzt noch mehr denn je stehe, auch wenn es sicherlich unzählige Kritikpunkte gibt.

Ich bin für diese Erfahrung unendlich dankbar und möchte mich persönlich bei Rebecca Harms und Ruth Reichstein bedanken, dass sie mich so super aufgenommen haben und ich überall mal reinschnuppern durfte. Außerdem geht mein Dank an Herrn Schulz und Prof. Schmidt, die mich bei den Vorbereitungen tatkräftig unterstützt haben.

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Internationales Medien-Stipendium 2012

Hilke Janssen –
Internationales Medien-Stipendium 2012

Posted Oktober 26th, 2012 in Stipendiaten by Susanne Melchior

Janssen_390Fern, fremd und faszinierend – das war China für mich vor Antritt meines Sir-Hugh-Carleton-Greene-Stipendiums. Ein Land, das andere mit Wachstumsraten in schwindel-erregender Höhe einschüchtert; das hungrig nach Geld, Autos und Luxus ist und atemberaubend schnell an die Spitze der Exportnationen jagt.  Und gleichzeitig den Westen mit seiner Zensur, eingesperrten Menschenrechtlern und massiven Umweltproblemen alarmiert.

Gegensätze wie diese haben mich während meiner vier Wochen in China ständig begleitet: Da prallen Prachtmeilen voller Gucci, Prada und Rolex auf verwinkelte Gassen, in denen am schmutzigen Straßenrand einfache Fleisch-Spieße gegrillt werden. Da passt die übersteigerte Höflichkeit der Chinesen in der Geschäftswelt nicht zusammen mit der extremen Rücksichtslosigkeit im Alltag der Stadt. Da machen Senioren morgens andächtig im Park Tai-Chi-Übungen, während nebenan auf den sechsspurigen Stadtautobahnen hupend die Blechlawinen vorbeiziehen.

Umso spannender war es für mich zu sehen, wie fest Niedersachsen in dieser Region der Welt verwurzelt ist. Niedersächsische Unternehmen sind seit Jahrzehnten in China aktiv – produzieren, forschen und verdienen viel Geld.  Während meiner Besuche in Firmen und Gesprächen mit Experten habe ich zum Beispiel erfahren, warum es für junge Chinesen das Größte ist, einen Volkswagen zu besitzen. Welche Probleme der Prothesen-Hersteller Otto Bock hat, weil Behinderungen in China ein Tabu sind. Warum in chinesischen Fertiggerichten oft der Geschmack von Zwiebeln aus Holzminden steckt. Und warum Chinesen Jägermeister mit Grünem Tee trinken.

China hat in dieser Zeit viel mit mir gemacht: Es hat mich umgehauen, verwirrt und überrascht.  Mich lachen und staunen lassen. Mich umarmt und verschlungen. Und am Ende meiner Reise war China für mich immer noch faszinierend. Aber nicht mehr ganz so fern und fremd.

Die Sendung „Von Zwiebeln, Schnaps und Raubkopien“ über niedersächsische Firmen in China ist nachzuhören unter: www.ndr.de/ndr1niedersachsen/audio166583.html

Hilke Janssen ist seit 2010 Redakteurin in der Redaktion Landespolitik & Wirtschaft beim NDR Hörfunk in Hannover. Sie studierte Journalistik und Anglistik in Dortmund, volontierte beim WDR und arbeitete als freie Mitarbeiterin u.a. beim WDR, DLF und NDR.

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Internationales Medien-Stipendium 2012

Elise Landschek –
Internationales Medien-Stipendium 2012

Posted September 8th, 2012 in Stipendiaten by Susanne Melchior

Landschek_390Ich muss zugeben: Zu Arte wollte ich schon, bevor ich überhaupt Journalistin geworden bin. Ich mag den Sender, die Themenabende, den Internet-Auftritt voller interaktiver Specials und Dossiers. Außerdem fand ich die Vorstellung sehr verlockend, in Frankreich wieder einmal zu leben und dort auch arbeiten zu können, internationale Themen zu recherchieren, die Sprache zu sprechen, das Elsässer Essen und der Wein zu genießen – kurz, ich habe mich einfach richtig gefreut, als die Wahl der Jury für das Stipendium auf mich fiel.

Straßburg empfängt mich mit Nieselregen. Meine Wohnung liegt nur zehn Minuten zu Fuß von Arte entfernt am anderen Ufer der Ill, den Arbeitsweg an meinem ersten Tag lege ich im Laufschritt zurück (meine Regenjacke liegt sicher und trocken zuhause in meinem Hamburger Schrank verwahrt). Das Gebäude von Arte steht zutiefst symbolisch direkt neben dem Europaviertel, die mächtigen Glashäuser von Europarat, Europäischem Gerichtshof für Menschenrechte und Europaparlament schrauben sich direkt neben den großen Parabolantennen auf dem Arte-Dach in den Himmel.

Triefend stehe ich vor dem Empfangstresen: zum Arte Journal möchte ich. Ich bin die Neue, jedenfalls für die nächsten Wochen. Die Empfangsdame schaut unsicher, telefoniert kurz und gibt mir dann, jetzt ganz freundlich, den Plastikbadge. Meinen Zugang zum drehkreuzgesicherten Arte-Reich.

Mein Arbeitsalltag kann beginnen, noch habe ich keine Ahnung, was mich erwartet. Dass das Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen selbst in einer komplett deutsch-französischen Redaktion nicht so ganz einfach sei, munkelt man. Vielleicht gäbe es ja auch gar nicht genug zu tun für mich. Aber die Kantine sei die beste Europas. Ich lasse mich überraschen.

Die erste Konferenz findet auf Deutsch statt, ich bin fast ein bisschen enttäuscht. Doch das soll eine der ganz seltenen Ausnahmen bleiben, meistens werden die Themen für Mittags- und Abendsendung auf französisch besprochen. Syrien ist ein thematischer Schwerpunkt in den Frühlingsmonaten, in denen ich dort arbeite, der NSU-Prozess, aber auch viel Afrika: Somalia, Mali, Kongo, Elfenbeinküste, Sudan und natürlich die Länder des arabischen Frühlings. Anders als nach Nachrichtensendungen, die in Deutschland geplant und produziert werden, bekommt man das Gefühl: die Region dort unten brennt, die Konflikte zwischen religiösen Gruppen und Untergruppen sind kaum noch auseinanderzuhalten.

Am Ende der Vormittags-Konferenz, so gegen 11 Uhr, werden die Themen für die Abend verteilt. Meine Rolle im Großraumbüro ist noch unklar, ein paar skeptische Blicke taxieren mich. Schließlich habe ich zwar eine trimediale Ausbildung, aber in den letzten drei Jahren fast nur beim Radio gearbeitet. Ich mache ein Probe-Stück zusammen mit einem der deutschen Redakteure – es klappt erstaunlich gut. Danach gehöre ich zur Mannschaft. Aus angeliefertem Material der Agenturen, von festen Korrespondenten und freien Reportern in den Krisengebieten, mit Archivmaterial, animierten Grafiken und Karten baue ich dann pro Schicht einen Anderthalbminüter zusammen.

Die Übersetzer brauchen meinen Text bis spätestens 18.00 Uhr, für die französische Version der Sendung. Abnahme, Sprechen, Mischen und ab die Post: Um zehn nach sieben beginnt die deutsche Sendung, um 19.45 Uhr die französische. Danach beginnt die Auswertung des Journals, der Arbeitstag endet gegen 21 Uhr. Eine langer Riemen, ich bin seit halb zehn Uhr vormittags um Büro. Ab und zu habe ich Schicht bei den Onlinern des Arte Journals, Internetdossiers zur Sendung erstellen, Interviews führen, Artikel schreiben, Fotos organisieren.

Nach der ersten Arbeitswoche verschlafe ich fast das ganze Wochenende, danach bin ich im Trott und finde es vor allem großartig, dass ich so eingebunden werde. So vergehen die Wochen, ich besuche das Europäische Parlament,  schwelge in den drei-Gänge-Menüs der tatsächlich unfassbar guten Kantine und stelle fest, dass es tatsächlich noch immer Spannungen zwischen Deutschen und Franzosen geben kann. Aber schließlich ist auch in meiner Heimatredaktion nicht immer alles voller Frieden und Harmonie.

Dann kann ich sogar selbst auf einen Dreh fahren, für eine Kulturreportage über Marseille. Außerdem biete ich noch eine Audio-Video-Slide-Show zum Thema für’s Internet an – und darf auch das realisieren. Turbulente letzte Tage mit durchgearbeiteten Nächten und Wochenenden folgen, als am Ende als über den Sender geht bzw online steht ist, mache ich drei Kreuze – aber bin wahnsinnig glücklich, dass alles so gut geklappt hat. Eine tolle Zeit und auf jeden Fall eine Erfahrung.

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Besuch bei der BBC

Junge Journalisten in London –
Besuch bei der BBC

Posted Januar 23rd, 2012 in Stipendiaten by Susanne Melchior

Gute Zeiten, schlechte Zeiten für die BBC: Zum Feiern war den meisten nicht zumute, als das BBC Radio im November 2012 90 Jahre alt wurde. Wenige Tage vorher erst war BBC-Direktor Entwistle zurückgetreten, nachdem ein Bericht über eine Vergewaltigungstat eines ehemals hochrangigen Politikers in der Sendung Newsnight gesendet worden war, der nicht der Wahrheit entsprach. Einen spannenderen Tag hätte sich die Gruppe der Sir-Greene-Stiftung also nicht aussuchen können.

Neun Stunden verbrachten sie bei der BBC, im Old Broadcasting House und im New Broadcasting House, in das in den kommenden Monaten alle etwa 6.000 Nachrichten-Journalisten für Fernsehen, Radio und Online einziehen sollen. Gigantische Großraumbüros sind auf mehrere Etagen verteilt. Herzstück ist einer der weltgrößten Newsrooms in einer Halle, die dem Frankfurter Börsenparkett Konkurrenz machen kann.

Neben einer Tour durch die BBC-Redaktionen und die Studios konnten die elf Journalisten aus Hannover, Hamburg und Berlin einen der erfolgreichsten britischen TV-Produzenten für einen Vortrag gewinnen. Robert Thirkell verriet sein Erfolgskonzept „c.o.n.f.l.i.c.t.“, mit dem er fast jedes Thema spannend machen kann und zu einem Quotenhit werden lässt, was er mit vielen Erfolgen belegte.

Auf dem Programm der Sir-Greene-Gruppe stand auch der Austausch mit britischen Journalisten. Unter anderem sprachen sie mit einem jungen Redakteur der Londoner Zeitung Evening Standard über Einstiegschancen in die britische Medienwelt. Ein Besuch beim Guardian zeigte den deutschen Journalisten, wie weit einige britische Medien bereits bei ihrer Umstellung auf Online sind, was nicht nur den Ausspiel-Weg betrifft, sondern auch die Recherche-Wege wie Twitter und Blogs.

Bei Besuchen in den Studios von ARD, ZDF und RTL sah die Gruppe, was hinter der Arbeit von Auslandskorrespondenten steckt. Alle Termine und Eindrücke haben die Journalisten in einem Film festgehalten, der bei der Sir-Hugh-Carleton-Greene-Stiftung und im Presse Club Hannover gezeigt werden wird.

Die Teilnehmer der einwöchigen Bildungsreise stammen aus der Gruppe der Junioren im Presse Club Hannover („JPC“). Wer Interesse an einer Mitarbeit oder einem Besuch der regelmäßigen Veranstaltungen des „JPC“ hat, kann sich bei der Sir-Greene-Stiftung oder direkt beim Presse Club melden.

Und hier sehen Sie ein Video mit den Eindrücken der Teilnehmer:

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Internationales Medien-Stipendium 2011

Sarah Tacke –
Internationales Medien-Stipendium 2011

Posted Oktober 7th, 2011 in Stipendiaten by Susanne Melchior

„Mr. President, one question …“, rufe ich Barack Obama über die Köpfe seiner Secret-Service-Beschützer zu. Ich strecke ihm das ARD-Mikrofon entgegen. Die Kamera läuft. Noch nie hat Barack Obama einem deutschen Fernsehsender ein Interview gegeben. Heute ist es so weit, hoffe ich. Der Präsident hält an. Schaut mir in die Augen. Strahlt sein Obama-Grinsen. Winkt mir zu. Und geht weiter. Das war’s. Dabei hatte ich in meinem Kopf unzählige Fragen vorbereitet. Aber an diesem Nachmittag in Virginia spaziert mein amerikanischer Traum, ein Interview mit dem Präsidenten, lässig und entspannt an mir vorbei. Und ich kann nichts dagegen tun. Zu gut ist er abgeschirmt, als dass ich ihn hätte festhalten und fragen können.

Näher komme ich dem Präsidenten während der zwei Monate als Stipendiatin im ARD-Studio Washington nie. Deutsche Journalisten haben keine Bedeutung für amerikanische Präsidenten, muss ich lernen. In Deutschland gibt es für sie keine Wählerstimmen zu holen. Und so beobachte ich Barack und Michelle Obama und ihre Herausforderer Ann und Mitt Romney vor allem durch die Augen amerikanischer Fernsehsender. Im ARD-Studio laufen die Bilder und Interviews ein, die CNN, ABC und all die anderen Mega-Sender machen. Aus ihren Ausschnitten werden dann Filme für die deutschen ARD-Zuschauer geschnitten. Ich fertige fast 20 Beiträge für Tagesschau, Tagesthemen, Weltbilder, Wochenspiegel, ARD-Wahl-Sondersendungen, das Morgen-, Mittags- und Nachtmagazin. Dafür interviewe ich amerikanische Journalisten, Lobbyisten und Wissenschaftler. Arbeite mich in die Biografien der Obamas und Romneys ein und analysiere die Eigenheiten der 50 Staaten von Amerika.

Wahlkampf in den USA ist voller Emotionen und die Wahlnacht ihr Höhepunkt. In der allesentscheidenden Nacht begleite ich für die Tagesthemen einige Unterstützer von Obama. Viele von ihnen haben mindestens ein Jahr in die Wiederwahl investiert. Neben ihrem Beruf. Ehrenamtlich. „Wir oder die“ – in Amerika ist die Frage, welche Partei du wählst, eine emotionale, tiefgreifende Lebensentscheidung. Kurz vor Mitternacht ist klar, Obama bekommt vier weitere Jahre. Tränen der Erleichterung und Freude laufen über die erschöpften Gesichter. Wir sind in einer Kneipe in der Nähe des Weißen Hauses. Schlagartig füllen sich die Straßen. Tausende rennen an uns vorbei. Schwenken Fahnen. Brüllen: „We did it again“. In Interviews vor dem Weißen Haus stockt mir immer wieder die Stimme – überwältigt von der tiefen Freude um mich herum. Erst am nächsten Tag wird mir klar, vier weitere Jahre geben auch mir eine Nachspielzeit, um meinen amerikanischen Traum doch noch wahr zu machen.

Sarah Tacke arbeitet seit 2010 in Hannover als Moderatorin des NDR und Inlandskorrespondentin der ARD. Zuvor war sie Volontärin beim NDR. Sarah Tacke studierte Jura und promovierte zum Medienpersönlichkeitsrecht. Außerdem ist sie Co-Autorin des Hamburger Kommentars zum Gesamten Medienrecht.