Stipendiaten antworten (2)

24.11.2017
Larissa Scheler

Journalistin
NDR Niedersachsen
Internationales Medien-Stipendium
2002
29.09.2017
Patrick Hoffmann

Reporter
Weser-Kurier
Sonderpreis
2015
Wie hat Ihnen das Stipendium bei Ihrem beruflichen Weg geholfen?
Für mich war die Zeit in London bei der BBC eine der spannendsten in meinem Berufsleben. Ich war gerade fertig mit dem Volontariat und freie Mitarbeiterin beim NDR Hannover. Die Erfahrungen in London haben mich darin bestärkt, weiter in Richtung tagesaktuelle Nachrichten-Produktion zu gehen.  Das Stipendium war eine sehr gute Investition in meine journalistische Ausbildung. Bei der BBC habe ich gelernt, dass die Zusammenarbeit zwischen Reporter und sogenanntem „Producern“ – einem Mitarbeiter, der sich unterstützend um Bildmaterial, zusätzliche Rechercheanfragen, Bild-Archiv-Recherchen, Interviewanfragen und auch technische Belage bei der Beitragsproduktion kümmert – wirklich Gold wert ist und bessere journalistische Resultate liefert, gerade in besonderen Nachrichtenlagen! Ich versuche diese unterstützende Arbeitsweise auch in meiner jetzigen Redaktion als Cvd und Planer umzusetzen. Bei NDR aktuell 21.45 mache ich damit gute Erfahrungen. Zunächst mal hat mir das Stipendium eine Recherchereise nach Ägypten und Tunesien ermöglicht, die unter „normalen“ Arbeitsbedingungen schon allein aus finanziellen Gründen nicht möglich gewesen wäre. Ich konnte vier Wochen lang ohne Druck zu Themen rund um den arabischen Frühling recherchieren, mich als Reporter auch mal treiben lassen und so ganz unverhofft auf viele weitere spannende Geschichten stoßen. Ganz grundsätzlich hat mit das Stipendium auch noch einmal gezeigt, mit welcher Leidenschaft ich Reporter im ursprünglichen Sinn sein möchte: rausgehen, den Kontakt zu Menschen suchen, mir ihre Geschichten erzählen lassen – und mich auch mal überraschen zu lassen, welches Thema einem im Alltag begegnen kann. Vom Schreibtisch aus, weit weg von den Menschen, über die und für die ich schreibe, ist das nämlich nicht möglich. So gesehen hat mir das Stipendium auch dabei geholfen, mich beruflich noch einmal zu verändern und als Werder-Reporter zum „Weser-Kurier“ nach Bremen zu wechseln.
Wie hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren verändert?
Ich habe die Seiten gewechselt! Ich bin also keine Reporterin mehr, sondern schicke als CvD selbst Reporter und Kamerateams raus, bringe Themen auf den Weg und bin im Team verantwortlich, am Ende eines Tages eine 15minütige Nachrichtensendung für alle vier NDR-Rundfunkstaatsvertragsländer auf den Sender zu bringen. Natürlich lebe ich redaktionell auch mit der Veränderung, die die sogenannten sozialen Netzwerke und Medien mit sich bringen und bin damit konfrontiert, auch dort veröffentliche Inhalte einzubeziehen und zu entscheiden, ob sie für unsere Sendung und Themen relevant sind. Sehr. Und das, obwohl ich erst 2010 mit dem Volontariat begonnen habe, also noch gar nicht so lange im Geschäft bin. Die Anforderungen sind höher geworden. Ich schreibe inzwischen nicht mehr „nur“ für die Zeitung, sondern drehe auch Kurzbeiträge, führe Interviews vor der Kamera oder bereite Geschichten speziell für unsere „Mein Werder“-App auf. Das ist zum einen technisch eine neue Herausforderung, es erfordert aber auch ein inhaltliches Umdenken: Wie lässt sich eine Geschichte am besten in Bewegtbild erzählen? Welche Stilform eignet sich für eine Online-Story? Und wie schaffe ich es trotz allem, am Ende auch noch eine gute Variante für die Zeitung zu finden, immerhin haben wir dort noch immer die meisten Leser. Damit aber kein falscher Eindruck entsteht: Ich klage nicht! Im Gegenteil. Ich bin begeistert von den neuen Möglichkeiten, die wir Journalisten haben. Ich habe so viele neue Plattformen, auf denen ich Leser erreichen kann. Und ich habe einen Arbeitgeber, der mir eine Spielwiese zur Verfügung stellt, auf der ich mich ausprobieren darf. Was will man mehr?
Die Mediennutzung verändert sich mehr und mehr. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein: Welche Rolle spielen die herkömmlichen Medien künftig noch? Wie sieht Ihre Arbeit wohl in 5 Jahren aus?
Journalistisch betrachtet: Sicher wird meine Arbeit ähnlich aussehen. Nach wie vor wird Sorgfalt bei der Recherche wichtig sein – vielleicht sogar wichtiger denn je –
Nachrichtenfaktoren werden angewendet werden, Regionalisierung von Themen wird es weiterhin geben, denn die Menschen interessieren sich immer für das, was in ihrer unmittelbaren Umgebung passiert. Dazu werden Nachrichtenformate sicher Bestand haben. Meiner Meinung nach wird die Einordnung am Endes eines Nachrichtentages eine zunehmende Rolle spielen – und die klassischen Formate, ob Print oder im Fernsehen, werden sie auch liefern. Aber ob ich dann in einer Nachrichtenredaktion für eine Sendung am späten Abend arbeite, die zu einer täglich fast gleichen Zeit ausgestrahlt wird? Da eröffnen natürlich die neuen Ausspielungswege andere Möglichkeiten „on air“ zu gehen – öfter, schneller, umkomplizierter. Die spannende Frage wird in den nächsten Jahren sein: welches Publikum erreichen wir auf welchem Gerät?
Gute Frage. Wenn ich gucke, was sich bei mir in den vergangenen fünf Jahren alles getan hat (Volontariat bei der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, Reporter beim „Weser-Kurier“, Redakteur beim „RedaktionsNetzwerk Deutschland“, jetzt wieder Reporter beim „Weser-Kurier“), dann tue ich mich schwer damit, eine Prognose für die kommenden fünf Jahre abzugeben. Es hat sich einfach verdammt viel geändert in jüngster Zeit, bei mir, aber auch in der Branche. Ich hoffe, dass meine Hauptaufgabe auch in fünf Jahren noch darin besteht, Menschen gute Geschichten zu liefern. Werder spielt in Bremen und der Region eine große Rolle, und es ist schon zu sehen, dass sich unsere Leser mit unseren Beiträgen intensiv auseinanderandersetzen. Genau das will doch jeder Journalist: eine Gruppe erreichen. Ob ich in fünf Jahren dann in erster Linie für eine App schreibe oder eine Tageszeitung oder etwas völlig Neuem, ist mir am Ende eigentlich egal.

Ich sehe an mir selbst, dass ich immer häufiger Nachrichten auf dem Smartphone lese. Eine Tageszeitung habe ich gar nicht mehr in Papierform abonniert, die lese ich morgens als E-Paper auf dem Tablet. Bin ich da eine Ausnahme? Ich denke nicht, vor allem nicht in meiner Altersgruppe. Andererseits hat man schon bei der Erfindung des Fernsehens geunkt, dass dies nun das Ende des Radios sei – und heute gibt es immer noch beides. Warum also nicht auch die Tageszeitung? Ich bin da für alles offen und hoffe einfach nur, dass es die Menschen auch in Zukunft an gutem und unabhängigem Journalismus interessiert sind und begreifen, dass dieser nicht kostenlos vom Himmel fallen kann.

Wie steht es mit dem Kontakt zu anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten?
Leider sehr wenig, was auch an meinen Spätdiensten bis 22 h liegt. Da treffen an freien Abend dann das Privatleben und mögliche Termine aufeinander – und das Privatleben gewinnt oft. Ich habe noch Kontakt zu Stipendiaten, die wie ich bei Madsack gearbeitet haben.
Würden Sie an einem jährlichen Treffen teilnehmen (können)?
Ja. Das würde ich auf jeden Fall. Ich hätte ein großes Interesse daran.
Welche Vorschläge haben Sie für die Gestaltung eines Stipendiatentreffens?
Zwanglose Runde zum Essen 1-2 pro Jahr. Keine. Ich brauche einfach nur eine nette Umgebung, nette Kollegen – und vielleicht ’ne Kleinigkeit zu essen. 😉
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