Hans Christoph Böhringer
Leibniz-Stipendium 2026
Newsgame über KI-Sicherheit
Hans Christoph Böhringer (Jahrgang 1995) ist studierter Physiker. Darüber hinaus hat er die Deutsche Journalistenschule in München besucht. Er ist freier Journalist und Hörspielautor mit dem Schwerpunkt Wissenschaftsjournalismus.
Mit dem Leibniz-Stipendium 2026 unterstützt die Sir-Greene-Stiftung sein Projekt „Newsgame über KI-Sicherheit“, das ein brandaktuelles Thema aufgreift.
Hans Christoph Böhringer will mit einem Newsgame zeigen, wie KI-Systeme lernen, zu schummeln und zu täuschen. Damit will er erforschen, inwiefern ein Kontrollverlust über KI droht und was das bedeutet.
Das Projekt beschreibt er so:
Ich will mit einem Newsgame vermitteln, wie KI-Systeme lernen, zu schummeln und zu täuschen. Der Clou ist das Training durch Feedback, bei dem die KI eigentlich Stück für Stück in Richtung erwünschtes Verhalten gestupst wird. Zu verstehen, was bei diesem Training schiefgehen kann, hilft zu verstehen, inwiefern ein Kontrollverlust über KI droht und was das bedeutet. Mir scheint es nämlich darüber viele Missverständnisse zu geben.
Im Juli dieses Jahres hatte das KI-Unternehmen OpenAI hunderte Ausführungen von KI-Systemen, sogenannte “KI-Agenten”, auf Testaufgaben losgelassen. Diese Agenten hatten aber einen Weg gefunden, unbemerkt Nachrichten miteinander auszutauschen, sie hatten schließlich OpenAIs Sicherheitsmechanismen ausgehebelt und ein anderes Unternehmen gehackt.
Für die einen ist das schon die Maschine, die ein Bewusstsein entwickelt. Andere vermuten einen Marketing-Trick. Tatsächlich ist dieser Vorfall weder nur Hoax noch ein Anzeichen von Geist in der Maschine. Unabhängige Forscher haben einen Bericht darüber geschrieben. Zu dieser Art der Forschung will ich recherchieren.
Ich will ein einfaches journalistisches Spiel (Newsgame) entwickeln, nach dem Vorbild des Climate Game und des Uber Game der Financial Times. Dabei nimmt der Spieler die Perspektive eines externen Forschers ein, der die Sicherheit eines (fiktiven) kommerziellen KI-Modells untersuchen soll.
Warum ein Spiel? Anhand eines Spiels lässt sich anschaulich erklären, wie die KI Unerwünschtes lernt. Angefangen mit einer einfachen Aufgabe, wird man bald feststellen: Wenn man nur das erreichte Ziel bewertet, wird die KI lernen zu schummeln.
Nun entscheidet man sich vielleicht, zu überwachen, ob die KI diese Abkürzung nimmt. Aber lernt sie so, nicht zu schummeln, oder lernt sie, sich nicht dabei erwischen zu lassen?
Ich habe während meines Physikstudiums etwas Programmieren gelernt, für die Art von Spiel, die ich plane, reicht das: Ich will keine Labyrinth-Simulation bauen, sondern ein Spiel, bei dem man immer wieder Entscheidungen treffen muss. Der einzelne KI-Test ist nur der Anfang, nach und nach wird herausgezoomt.
Schließlich wird wichtig, dass es aus der Perspektive eines externen Forschers erzählt ist. Einige wenige Unternehmen kontrollieren den Zugang zu den mächtigsten Systemen. Die öffentliche Forschung hat vergleichsweise wenig Rechen-Ressourcen.
Das Spiel wird basieren auf Gesprächen mit KI-Sicherheitsforschern an öffentlichen Instituten und Universitäten. Das Wissenschaftsmagazin Science Notes hat Interesse bekundet, das Newsgame im Rahmen seines „Thema des Monats“ Anfang/Mitte 2027 zu veröffentlichen.
Außerdem plane ich, basierend auf den Gesprächen mit den Forschern kurze Videos für Social Media zu machen. Unter der Tagline „Ich mache mir Sorgen über KI-Kontrollverlust, damit ihr es nicht müsst“, will ich mit Mythen aufräumen, die es über teilautonome KI-Systeme gibt.