Joshua Kocher

Recherchestipendium Wirtschaft/Finanzen 2026

Stipendiat
Das Projekt

„Wo die Welt bestellt“

Der Journalist Joshua Kocher (Jahrgang 1995) ist als Regionalreporter für die Badische Zeitung und als freier Reporter unter anderem für GEO, SZ-Magazin, ZEITmagazin und brand eins tätig. 

Joshua Kocher erhält das vom Sparkassenverband Niedersachsen gestiftete Recherchestipendium in der Kategorie Wirtschaft/Finanzen für sein Projekt „Wo die Welt bestellt“, mit dem er zeigen will, dass Wirtschaft nicht nur in Frankfurt, Berlin oder München stattfindet, sondern manchmal auch in einem Schwarzwalddorf.

Hier sein Exposé zu diesem Rechercheprojekt:

Der Schwarzwald, das ist die Region der Tannen, Schindeln und Geranien – und der Weltmarktführer. In den Dörfern und Kleinstädten zwischen Freiburg und Villingen- Schwenningen, Basel und Pforzheim sitzen erstaunlich viele Unternehmen, deren Namen kaum jemand kennt, deren Produkte aber rund um den Globus gebraucht werden.

Eine Studie der FH Dortmund hat allein in der „Black Forest Power Region“ 45 Hidden Champions identifiziert: Unternehmen, die in ihrer Nische weltweit zu den führenden Anbietern gehören. Mit rund zehn Weltmarktführern pro 100.000 Einwohner ist ihre Dichte mehr als doppelt so hoch wie in Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen und etwa fünfmal so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Der Schwarzwald gehört damit zu den dichtesten Weltmarktführerregionen Deutschlands.

Wie konnte ausgerechnet hier, zwischen Tannenwäldern und kleinen Ortschaften, ein solcher industrieller Mikrokosmos entstehen? Ich möchte mich auf die Suche nach dem besonderen Schwarzwälder Wirtschaftsmodell machen: zu Familienunternehmen, die seit Generationen am selben Ort produzieren, zu hochspezialisierten Mittelständlern, die ihre Nischen auf dem Weltmarkt besetzen, und zu den Menschen, die diese Unternehmen tragen und weiterentwickeln.

Mich interessiert, was ein abgelegenes Dorf zum Standort für globale Geschäfte macht – und ob Faktoren wie Ausbildung, regionale Netzwerke, Unternehmenskultur, Eigentum und die enge Bindung an den Standort erklären können, warum manche Unternehmen lieber in der Provinz bleiben, als dorthin zu gehen, wo Wirtschaftsförderer sie eigentlich vermuten würden.

Denn gerade jetzt steht dieses Schwarzwälder Erfolgsmodell vor seiner vielleicht größten Bewährungsprobe: Fachkräftemangel, hohe Energie- und Arbeitskosten, Digitalisierung, KI, geopolitische Unsicherheit und der Strukturwandel der deutschen Industrie verändern die Bedingungen, unter denen diese Unternehmen groß geworden sind.

Zugleich könnte gerade ihre Spezialisierung, ihre Nähe zur Produktion und ihre Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden, ein Modell für die Industrie der Zukunft sein. Die Reportage soll deshalb nicht nur erklären, warum die Provinz hier erfolgreicher ist als ihr Ruf, sondern auch, ob und wie sie es bleiben kann.

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